Kieferfunktion & Schmerz (CMD)

Bisshebung und abgenutzte Zähne

Lösung für entspanntes Kauen und weniger Beschwerden

Kürzere Zähne, abgeflachte Kanten, empfindliche Zahnhälse: Abgenutzte Zähne sind weit verbreitet und werden oft lange unterschätzt. Dabei verändert der Verlust an Zahnsubstanz nicht nur das Aussehen, sondern auch den Biss – mit möglichen Folgen für Kiefergelenke, Muskulatur und den ganzen Bewegungsapparat. Dieser Fachartikel erklärt Ursachen und Folgen und zeigt, wann eine Bisshebung sinnvoll ist.

Prof. Dr. med. dent. Andreas OlzeAutor
Aktualisiert: ca. 3 Min. Lesezeit
Bisshebung und abgenutzte Zähne

Das Wichtigste in Kürze

  • Häufigste Ursache abgenutzter Zähne ist Zähneknirschen oder -pressen (Bruxismus), oft unbemerkt in der Nacht.
  • Auch Säure aus Getränken oder Magensaft und falsches Putzen tragen Zahnsubstanz ab.
  • Mit dem Verlust an Substanz sinkt die Bisshöhe – Kiefergelenke und Muskulatur werden fehlbelastet.
  • Eine Bisshebung stellt die ursprüngliche Höhe wieder her, nachdem sie mit einer Schiene getestet wurde.

Wie entstehen abgenutzte Zähne?

Zahnmediziner unterscheiden mehrere Formen des Zahnverschleißes, die oft gemeinsam auftreten:

  • Attrition: Abrieb durch Zahn-zu-Zahn-Kontakt, vor allem beim Knirschen und Pressen.
  • Abrasion: Abtrag durch Fremdkörper, etwa zu hartes Putzen mit abrasiver Zahnpasta.
  • Erosion: chemische Auflösung durch Säuren aus Getränken, Obst oder Magensaft.

Die häufigste Ursache ist Zähneknirschen oder Zähnepressen, der sogenannte Bruxismus. Viele Betroffene bemerken es nicht, weil es überwiegend nachts geschieht. Auslöser sind häufig Stress und innere Anspannung. Dabei wirken enorme Kräfte auf die Zähne. Über Jahre wird nicht nur der Schmelz, sondern auch das darunterliegende Dentin abgetragen – im Extremfall bleiben nur wenige Millimeter der ursprünglichen Zahnkrone übrig.

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Was die Leitlinie empfiehlt

Die S3-Leitlinie zu Bruxismus empfiehlt, Zähneknirschen vor allem dann zu behandeln, wenn es zu Schäden oder Beschwerden führt. Im Vordergrund stehen Aufklärung, Entspannung und Schutz der Zähne durch eine Schiene.

Woran erkennen Sie abgenutzte Zähne?

  • Kurze, flache oder gleich lange Frontzähne
  • Glänzende Schliffflächen und kleine Absplitterungen an den Kanten
  • Empfindlichkeit bei Kälte oder Süßem
  • Morgendliche Verspannungen im Kiefer oder Kopfschmerzen
  • Das Gefühl, dass der Biss nicht mehr richtig passt

Welche Folgen hat der Verlust der Zahnhartsubstanz?

Mit der Zahnsubstanz geht auch die Führung des Gebisses verloren. Normalerweise sorgen Front- und Eckzähne mit ihrer Form und Länge dafür, dass der Unterkiefer bei Kaubewegungen kontrolliert geführt wird und die Backenzähne entlastet werden. Fehlt diese Führung, entsteht ein „falscher Biss“: Die Zähne treffen ungünstig aufeinander und nutzen sich noch schneller ab. Gleichzeitig sinkt die Bisshöhe.

Auswirkungen auf Kiefergelenke und Bewegungsapparat

Bedingt durch den veränderten Biss werden auch die Kiefergelenke anders belastet. Die Kaumuskulatur passt sich an und verkürzt sich. Druckgefühle, Gelenkschmerzen und Verspannungen in Kopf, Nacken und Schultern können die Folge sein. Bei manchen Betroffenen strahlen die Beschwerden weiter in den Rücken aus. Hängt das mit einer Funktionsstörung zusammen, spricht man von einer CMD – mehr dazu in unserem Fachartikel CMD bei Fehlbiss.

Abgenutzte Zähne wieder aufbauen: die Bisshebung

Bei einer Bisshebung wird die verlorene Zahnsubstanz ersetzt und die ursprüngliche Bisshöhe wiederhergestellt. Weil sich Kiefer und Muskulatur über Jahre an die abgesenkte Position gewöhnt haben, geschieht das nicht auf einmal:

  1. SchienentherapieEine Aufbissschiene hebt den Biss probeweise an. So wird die optimale Höhe ermittelt, und der Kiefer gewöhnt sich an die neue Stellung.
  2. LangzeitprovisorienIn komplexen Fällen werden die Zähne zunächst festsitzend mit Provisorien in der neuen Höhe versorgt – meist für einige Monate.
  3. Zahnstellung optimierenStehen Zähne ungünstig, werden sie vorher mit transparenten Schienen ausgerichtet.
  4. Definitive VersorgungInlays, Teilkronen, Kronen oder Veneers stellen Form und Höhe dauerhaft wieder her.

Die Aufnahmen zeigen die Ausgangssituation mit stark abgenutzten Zähnen und das Ergebnis nach einer individuell geplanten Bisshebung.

Ausgangssituation mit stark abgenutzten Zähnen und abgesenkter Bisshöhe
Ergebnis nach Bisshebung mit prothetischer Versorgung

Wo liegen die Grenzen einer Bisshebung?

Eine Bisshebung ist ein umfassender Eingriff, der gut geplant werden muss. Wird die Höhe zu stark verändert oder fehlt die Testphase, können Muskelbeschwerden, Gelenkprobleme oder ein ungewohntes Sprechgefühl auftreten. Deshalb wird jede neue Position zuerst mit Schiene oder Provisorien erprobt. Nach der Behandlung schützt eine Nachtschiene die neuen Zähne vor erneutem Knirschen. Wie die definitive Versorgung mit Keramik abläuft, zeigt unser Fachartikel Bisshebung mit Vollkeramik. Ist das gesamte Gebiss betroffen, wird sie meist als 4-Quadrantensanierung geplant.

4-Quadrantensanierung

Abgenutzte Zähne und abgesunkenen Biss ganzheitlich neu planen.

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Häufige Fragen

Was ist eine Bisshebung?

Eine Bisshebung ist die Wiederherstellung der natürlichen Bisshöhe, wenn die Zähne durch Knirschen, Pressen oder andere Ursachen stark abgenutzt sind. Sie sorgt für eine gesunde Funktion des Kausystems und kann die Kiefergelenke entlasten.

Welche Symptome können auf einen abgesenkten Biss hinweisen?

Häufige Anzeichen sind abgenutzte, kurze Zähne, Kiefergelenkschmerzen, Verspannungen der Kau- und Nackenmuskulatur. Solche Beschwerden können aber auch andere Ursachen haben und gehören deshalb in eine gründliche Untersuchung.

Wie läuft eine Bisshebung ab?

Zunächst wird die neue Bisshöhe mit einer Schiene oder mit Provisorien getestet. Anschließend wird der Zahnersatz – etwa Kronen, Veneers oder Brücken – eingesetzt, um die optimale Bisshöhe dauerhaft zu stabilisieren.

Was ist CMD und wie hängt sie mit der Bisshebung zusammen?

CMD (craniomandibuläre Dysfunktion) bezeichnet eine Fehlfunktion des Kiefergelenks und der Kaumuskulatur. Ein veränderter Biss kann – neben Faktoren wie Stress und Pressen – zu Beschwerden beitragen. Ob eine Bisshebung hilft, zeigt sich erst nach einer Funktionsanalyse und einer Testphase mit Schiene.

Wissenschaftliche Grundlage

Leitlinien zu diesem Thema

Dieser Fachartikel orientiert sich an den aktuellen Leitlinien und wissenschaftlichen Mitteilungen der zahnmedizinischen Fachgesellschaften (DGZMK/AWMF).

Leitlinien sind Entscheidungshilfen für Zahnärztinnen und Zahnärzte. Welche Behandlung für Sie richtig ist, klären wir im persönlichen Gespräch.

Ein Fachartikel von

Prof. Dr. med. dent.

Andreas Olze

Prof. Dr. Olze vereint Erfahrung, Präzision und Leidenschaft für Zahnmedizin. Sein Anspruch ist Spitzenqualität, die er täglich neu gemeinsam mit seinem kompetenten und empathischen Team erschafft. Seine Stärke ist seine fundierte Erfahrung, mit der er seinen PatientInnen stets auf Augenhöhe und menschlich zugewandt, persönlich begegnet.

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