Zahnersatz & Implantate
Implantate bei Knochendefizit
Fester Halt auch bei schwierigen Voraussetzungen – ein Fallbericht
Zu wenig Kieferknochen galt lange als Ausschlussgrund für Implantate. Heute lassen sich selbst ausgeprägte Knochendefekte so aufbauen, dass Implantate dauerhaft stabil einheilen – auch nach gescheiterten Vorbehandlungen. Am Fall einer jungen Patientin zeigen wir, warum Eigenknochen dabei oft die bessere Wahl ist.

Das Wichtigste in Kürze
- Nach Zahnverlust, Entzündungen oder Unfällen baut sich der Kieferknochen ab – oft schneller als erwartet.
- Fehlender Knochen lässt sich mit körpereigenem Knochen oder Ersatzmaterial wieder aufbauen.
- Bei großen Defekten gilt Eigenknochen, etwa als Knochenblock, als besonders zuverlässig.
- Auch nach gescheiterten Augmentationen ist eine Implantatversorgung meist noch möglich.
Warum sich der Kieferknochen abbaut
Der Kieferknochen braucht Belastung, um erhalten zu bleiben. Fehlt ein Zahn, fehlt dieser Reiz – der Knochenabbau im Kiefer beginnt, oft schon in den ersten Monaten nach der Zahnentfernung. Weitere Ursachen sind Parodontitis, Entzündungen an der Wurzelspitze, Unfälle oder lange getragene Prothesen, die auf den Kieferkamm drücken.
Für Implantate bedeutet das: Ist der Knochen zu schmal oder zu niedrig, findet das Implantat keinen sicheren Halt. Bei zu wenig Knochen muss er deshalb vorher oder gleichzeitig aufgebaut werden. Wie das grundsätzlich funktioniert, erklärt unser Fachartikel Knochenaufbau mit Implantatlösung.
Der Fall: eine 28-jährige Patientin nach erfolglosen Vorbehandlungen
Eine 28-jährige Patientin wünschte sich einen festen Zahnersatz für eine Lücke im Frontzahnbereich. Bei mehreren Vorbehandlern war bereits versucht worden, den Knochen mit synthetischem Knochenersatzmaterial aufzubauen – ohne Erfolg. Das Material war nicht eingeheilt und hatte eine ausgedehnte Entzündung ausgelöst. Statt zusätzlichem Knochen war ein massiver Knochendefekt entstanden.
Zunächst wurde das nicht eingewachsene Material vollständig entfernt und die Entzündung zur Ausheilung gebracht. Anschließend wurde der Defekt mit körpereigenem Knochen neu aufgebaut. Nach der Einheilung konnten die Implantate gesetzt und mit festsitzendem Zahnersatz versorgt werden.


Eigenknochen oder Knochenersatzmaterial?
Für den Knochenaufbau stehen körpereigener Knochen, Ersatzmaterialien tierischen oder synthetischen Ursprungs und Kombinationen daraus zur Verfügung. Bei kleineren Defekten bewähren sich Ersatzmaterialien häufig gut. Bei großen Defekten oder nach gescheiterten Vorbehandlungen gilt Eigenknochen als besonders zuverlässig: Er enthält lebende Zellen und Wachstumsfaktoren, wird vom Körper nicht als fremd erkannt und wird mit der Zeit in den vorhandenen Knochen umgebaut.
Dabei wird ein kleiner Knochenblock, meist aus dem Kieferwinkel oder Kinnbereich, entnommen, passgenau zugeschnitten und am Defekt fixiert. So lässt sich verlorenes Knochenvolumen in Höhe und Breite gezielt wiederherstellen. Prof. Dr. Fouad Khoury, mit dem unsere Praxis zusammenarbeitet, hat Methoden mit Eigenknochen international maßgeblich geprägt.
Was tun, wenn ein Knochenaufbau gescheitert ist?
Bleibt nach einem Knochenaufbau eine Entzündung bestehen, löst sich Material ab oder heilt ein Implantat nicht ein, ist das belastend – aber meist kein Endpunkt. Entscheidend ist eine sorgfältige Ursachenanalyse:
- Nicht eingeheiltes Ersatzmaterial und entzündetes Gewebe vollständig entfernen
- Die Entzündung ausheilen lassen, bevor erneut aufgebaut wird
- Einen neuen, individuell geplanten Aufbau – bei großen Defekten bevorzugt mit Eigenknochen
- Risikofaktoren wie Rauchen oder eine unbehandelte Parodontitis konsequent angehen
Mit dieser Vorgehensweise lassen sich auch in scheinbar aussichtslosen Situationen stabile, ästhetische Ergebnisse erreichen. Alles zur Implantatbehandlung in unserer Praxis finden Sie auf der Seite Zahnimplantate.

Präzise geplant, minimalinvasiv gesetzt – auch mit Knochenaufbau.
Zur LeistungsseiteHäufige Fragen
Kann man Implantate setzen, wenn kaum noch Kieferknochen vorhanden ist?
In den meisten Fällen ja. Fehlender Knochen lässt sich vorher oder gleichzeitig mit der Implantation aufbauen. Bei sehr großen Defekten erfolgt der Aufbau in einem eigenen Schritt, die Implantate werden nach einigen Monaten gesetzt.
Was ist eine Knochenblockaugmentation?
Dabei wird ein Knochenblock – meist aus körpereigenem Knochen – in den betroffenen Bereich eingesetzt, um Volumen und Stabilität für das spätere Implantat zu schaffen.
Warum ist Eigenknochen oft die bessere Wahl?
Eigenknochen wird vom Körper nicht als fremd erkannt, heilt in der Regel stabil ein und wird mit der Zeit in den vorhandenen Knochen umgebaut. Besonders bei großen Defekten bietet er langfristig eine feste Basis für Implantate.
Welche Nebenwirkungen kann Knochenersatzmaterial haben?
Meist heilt es problemlos ein. In seltenen Fällen kann es zu Entzündungen kommen oder das Material wird nicht in den Knochen integriert. Dann muss es entfernt und der Aufbau neu geplant werden.
Was kann man tun, wenn frühere Knochenaufbauversuche gescheitert sind?
Eine sorgfältige Entfernung von nicht eingewachsenem Material, gefolgt von einem neuen, individuell angepassten Knochenaufbau, kann die Basis für eine erfolgreiche Implantation schaffen.
Wissenschaftliche Grundlage
Leitlinien zu diesem Thema
Dieser Fachartikel orientiert sich an den aktuellen Leitlinien und wissenschaftlichen Mitteilungen der zahnmedizinischen Fachgesellschaften (DGZMK/AWMF).
- S2k-LeitlinieImplantatversorgung im fortgeschrittenen LebensalterDGZMK · AWMF · 2024PDF
- S2k-LeitlinieDentale digitale Volumentomographie (DVT)DGZMK · AWMF · 2022PDF
Leitlinien sind Entscheidungshilfen für Zahnärztinnen und Zahnärzte. Welche Behandlung für Sie richtig ist, klären wir im persönlichen Gespräch.
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